Helfen statt hassen

Samstag, 11. Juni 2011

Typisch Deutsch

Natürlich sind Generalisierungen immer eine blöde Sache, weil sie meist auch nicht stimmen. Aber es gibt so ein paar Phänomene, die man durchaus so als "typisch Deutsch" bezeichnen könnte. Niederträchtigkeit, Feigheit, Großmäuligkeit - aber vor allem das Nörgeln sind für mich typisch deutsche Eigenschaften.

Ein Beispiel:
Vor kurzem war es bekanntlich sehr warm im kalten Deutschland. Also hatten die meisten Menschen ihre Fenster geöffnet. So auch eine Norwegerin im Haus gegenüber. An jenem Abend saß ich vor dem Rechner und recherchierte zu einem technischen Problem. Auch ich hatte die Fenster geöffnet, so dass ich sie und einen dunklen Kerl ab und zu lachen hörte. Irgendwann holte ich mir ein Getränk und sah sie beide in ihrer Küche stehen - nur noch mit Strings bekleidet. Ich dachte noch: 'Na da werden sich sicher einige Kartoffeln aufregen, wenn sie aus gerade in deren hell erleuchtete Küche schauen', ehe ich mich wieder dem Computer widmete. Wie sehr ich da Recht hatte ...

Irgendwann hörte man dann ein lautes lang anhaltendes und wiederkehrendes Stöhnen. Ich konnte nicht glauben, dass die beiden es jetzt in der hell erleuchteten Küche trieben - das taten sie auch tatsächlich nicht. Sie taten es in ihrem hell erleuchteten Schlafzimmer. Zuerst pumpte der Typ in Missionarstellung in ihr, dann auf Verlangen des Kerls im Doggy-Style. Der Life-Porno hatte trotz dieser Einfaltslosigkeit schon was.

Gerade als die Frau sich ihrem Orgasmus zu nähern schien, ertönte eine sehr laute Männerstimme, die in die Nacht hinaus brüllte: "Mach endlich das Fenster zu!"
Der Kerl pumpte sein Sperma weiterhin in die Frau, aber der war ihr Spaß offensichtlich durch das Gebrüll der Kartoffel vergangen. Mir ebenfalls.

Am nächsten Tag klebte dann ein großer Zettel an unserer Haustür, der - selbstverständlich anonym, wie es sich für Kartoffeln gehört - in großen Buchstaben auf dem PC verfasst mit großen Worten verkündete:
"Das Pärchen, daß am xx./xx. Juni um 23:48 Uhr geb..... hat sollte mal rücksicht auf alle anderen Nachbarn nehmen. (...) Man kann bei sowas auch die Fenster geschlossen halten! (...) (bla bla bla)"

Ich kann's ja schon nicht ab, wenn Kartoffeln ihre eigene Rechtschreibung nicht beherrschen, aber diese nölige, typisch deutsche hinterfotzige Anonymität und Zensur (Wenn man schon einen solch schwachsinnigen Text aufschreibt, kann man meiner Meinung nach auch das Partizip "gebumst" ausschreiben.) kotzen mich wirklich an.
Ich riss den Zettel ab und warf ihn auf der Straße in einen Mülleimer, ärgerte mich dann aber über mich selbst - es wäre besser gewesen, dieses peinliche Outing Des Deutschen für alle sichtbar hängen zu lassen.

Am nächsten Tag hing ein neuer Zettel mit gleichem Inhalt an der gleichen Stelle.
Konnte es soviel deutsche Dummheit wirklich geben?

Diesmal ließ ich den Zettel an seiner Stelle und schrieb stattdessen mit einem Stift auf eine freie Stelle sinngemäß, dass das betreffende Pärchen im Haus gegenüber wohne und dass der/die Verfasser/in des anonymen Zettels eine impotente bzw. frigide Kartoffel sei.
Als ich später wiederkam, war der Zettel tatsächlich verschwunden, und ich glaubte irrtümlich, dem sarrazinisierten deutsche Urheber sei mein Kommentar peinlich gewesen. Dass so einer dummen deutschen Kartoffel wirklich rein gar nichts peinlich ist, bewies die weitere Entwicklung:
Am nächsten Tag kam ich am Nachbarhaus vorbei und sah durch das Glas der Haustür einen Zettel hängen. Da die Gebäude der gleichen Hausverwaltung gehören, sind unsere Haustürschlüssel identisch, also ging ich hinein und sah mir den Zettel an. Und tatsächlich:
Es war exakt der gleiche Zettel, auf den ich meinen Kommentar hinterlassen hatte! Daneben hatte jemand mit einem Kuli noch geschrieben: "Ja, mich nervt das ewige Geb... auch!"

Kein Zweifel, das ist die alte Rasse des Dr. gen. Thilo Sarrazin: Wenn der Nachbar statt eines Rasens einen Gemüsegarten betreibt, wenn er eine Katze besitzt, die sich auf sein Grundstück wagt, wenn er einfach nur atmet - dann fühlt sich der sarrazinisierte Deutsche gestört und pocht auf sein selbst-creiertes Recht und greift nur deshalb nicht zur Flinte, weil er die Folgen fürchtet.

Wenn es etwas gibt, das man als "typisch Deutsch" bezeichnen könnte, dann sicherlich dieses Verhalten.

1 Kommentar:

DrNI hat gesagt…

Ja, der Deutsche, vor allem auch der Schwabe, tendiert zur Liebe zur Ordnung. Es geht da ums Prinzip. Nicht ums Bumsen. Das kann man mit dem Ast übern Gartenzaun genau so haben. Beim Schwaben kommt noch hinzu, dass er keinen Spaß versteht, in dem Sinne als dass nur rechtschaffen ist, was rechtes Schaffen ist, einen also kaputt macht. Bumsen gehört da wohl nicht dazu. Trotzdem vermehren sich auch Schwaben, komisch eigentlich.

Vor allem auf dem Land sind so normierende Kräfte ganz stark. Die konzentrieren sich dort unter anderem deswegen, weil die Abweichler einfach fortziehen.

In solchen Fällen bietet sich das Bilden einer Subkultur an, einer freieren Teilgesellschaft. Man muss eben wo hin ziehen, wo man in ruhe Bumsen kann, oder was man eben gerne tut.