Helfen statt hassen

Dienstag, 24. Mai 2011

Ein Abendessen bei der Türkenmafia

Bei dem neulich erwähnten Abendessen gibt es so einiges Erwähnenswertes zu berichten.
Zum einen, dass ich der einzige Türke Mann war, zum anderen dass es anfangs doch auch Startschwierigkeiten gab: Ich wusste ob der weiblichen Übermacht nicht so recht, wie ich mich verhalten sollte. Klingt seltsam, ist aber schwer erklärbar: Es gibt immer Erwartungshaltungen und erwartete Erwartungshaltungen (die nicht unbedingt stimmen müssen). Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich insgeheim beobachtet wurde, wollte deshalb auch keine Fehler machen.

Nach der ersten Stunde des Beisammenseins lief es jedoch besser, weil man bis dahin offenbar genug aus meinem Mund gehört hatte, um sich ein ungefähres Bild von mir zu machen. Beim Essen schliesslich war es Cünbül* zu verdanken, dass sich die Atmosphäre auflockerte. Nur Yüsmün* schien mir irgendwie etwas verbissen und negativ zu sein. Sie brachte auch ein Thema auf, das ich interessanterweise noch nie von Türken gehört hatte: den Hetzer Sarrazin. Sie mochte diesen Hassprediger nicht, das war klar. Aber gleichzeitig mochte sie auch diese religiösen Kopftuchfanatiker nicht, deren deutsche Existenz einem das Türkenleben unnötig schwer machten und sozusagen das menschliche Blut für den Vampir Sarrazin waren.

Bei der Diskussion waren wir uns einig, dass es den Deutschen gar nicht um Differenzierung ging, sondern nur um ihren geliebten und möglicherweise angeborenen Fremdenhass. Und dass eine gezielte Ethnisierung stattfand, die in der europaweiten Kreation einer neuen "Rasse" ihren Gipfel gefunden hatte: den "Moslems".

Nicht einig waren wir uns über die Folgen der sarrazinschen Hasspredigten. Würde es bei den Diskriminierungen bleiben oder war ein neuer Holocaust im 21. Jahrhundert vorstellbar?

Kommentare:

DrNI hat gesagt…

Ich glaube nicht, dass der Deutsche einen angeborenen Fremdenhass hat. Aber die Fremdenhasser, die ich kenne, sind oft einfach nur beschränkt und haben vor allem Angst. Sie können mit andersartigen Leuten nicht umgehen. Das fängt schon bei Akademikern, Hippies oder anderen alternativen Gestalten an und macht natürlich vor Türken nicht halt. Diskutieren kann man mit den mir bekannten Exemplaren nicht. Die haben ihre Meinung schon geBILDet und möchten sie nicht mehr hergeben.

Am Ende ist es vermutlich so, dass die meisten Deutschen gar keine Muslime kennen und im Kopf Muslim und Türke sowieso das gleiche ist.

Was man auch gerne hört: Die Akademiker sind alle Nullen, bis auf dich natürlich. Oder: Die Türken sind alle faule Säcke, bis auf meinen Kollegen Murat, das ist der einzig Anständige.

DonLoewi hat gesagt…

Durch die äusseren Merkmale macht man sich natürlich angreifbar. So wie der berühmte "Fahrer mit Hut" als Sonntagsfahrer für etwas herhalten muss, was andere Autofahrer stört, so sind Kopftücher doch ein willkommendes Ausgrenzungsmerkmal und ideal zum Stigmatisieren.

Und wenn jemand von den Türken dem Klischee nicht entspricht, ist er halt die berühmte Ausnahme von der Regel, da gebe ich meinem Vorredner absolut Recht.

Natalha hat gesagt…

Hahaha, du olle Kartoffel - du bist lustig, ich mag deinen Style. Bin hier die ganze Zeit nur am Kichern. Aber ganz schön frech. :)

Türkenmafia hat gesagt…

Hey, Natalha hanim - nenn mich nicht Kartoffel, sonst schneid ich Dir Dein Kopftuch ab. Bin isch voll krasse Türke! :p

vitzliputzli hat gesagt…

"die Folgen der sarrazinschen Hasspredigten"

ich fürchte, ihr seid ein opfer der verlogenen linken propaganda. ich habe viel von sarrazin gelesen und im fernsehen gehört. noch nie ein wort, das man als hassstiftend bezeichnen könnte.

er kritisiert (u.a) eine ökonomisch ungeschickte einwanderungspolitik, die bei vergleichbarer situation in der türkei vermutlich noch viel vehementer von dortigen volkswirten geführt würde (einen zu hohen anteil an einwanderung bildungsferner menschen). oder? man stelle sich vor, 3 millionen armer christen, viele davon ohne ausbildung, würden in die türkei einwandern und teilweise (vergleichbare) sozialleistungen in anspruch nehmen.

dann untersucht er die ursachen, warum bestimmte ausländergruppen mehr probleme mit der integration haben, als andere.

ein großteil seines buches befasst sich aber mit völlig anderen themen. alles sehr sachlich.

die linken, die am lautesten gegen sarrazin schreien, haben garantiert noch nie etwas von ihm gelesen.

vp.

Türkenmafia hat gesagt…

Herr Vitzliputzli, man kann natürlich die Augen vor der Wirklichkeit verschliessen, so wie Sie es tun.
Sie müssen wirklich unheimlich naiv sein, wenn Sie tatsächlich den sarrazinschen Müll schlucken, es ginge ihm lediglich darum, Deutschland vor der "Islamisierung" zu bewahren. Wer im ICE auf Bahnhöfen "Kopftuchmädchen" zählt, hat nicht nur einen Sprung in seiner Schüssel, der möchte auch am liebsten solche Frauen auf dem Scheiterhaufen sehen.
Ich finanziere jeden Monat mindestens 6 von Ihren versoffenen Hartz 4-Ariern, die mich morgens auf dem Weg zur Arbeit mit ihrem Bier anrülpsen. Aber für Ihren stinkenden Hassprediger bin ich ja nur ein "unproduktiver Obst&Gemüsehändler".
Wenn Sie ein Fan dieses ergrauten deutschen Mini-Führer sind, dann tun Sie mir nicht einmal mehr leid.